Lyn
Firmbach-Middendorf
KÜNSTERLIN SCHWEIZ
Lyn Firmbach-Middendorf, geb. 1967, lebt und arbeitet in Rapperswil-Jona (CH)
Lyn Firmbach-Middendorf fand früh zur Kunst – als Jugendliche im damaligen Mädcheninternat Impulsschule Wurmsbach in Bollingen, unter der Führung des Klosters Mariazell. Dort legte sie das handwerkliche Fundament für ihren kreativen Ausdruck. Über viele Jahre blieb sie der Kunst verbunden – als Betrachtende, Hörende, Fühlende –, doch nicht als Schaffende.
Im Jahr 2020 unterbrach eine persönliche Erschütterung ihren beruflichen Weg – und öffnete den Raum für die Rückkehr zur künstlerischen Arbeit. Ihr Werk entsteht seither im Zusammenspiel von autodidaktischer Erfahrung und der laufenden Ausbildung an der Kunstschule Wetzikon.
In Malerei, Skulptur, Zeichnung und Materialarbeiten macht sie Denkprozesse sichtbar – tastend, roh, offen. Ihre Arbeiten sind weder laut noch dekorativ. Sie schaffen keine Distanz – sie laden ein: zum Aushalten, zum Fragen, zum Freilassen von Bedeutung.
Lyn Firmbach-Middendorf wählt ihr Material intuitiv – frei, aber nicht willkürlich. Sie kehrt immer wieder zu vertrauten Techniken zurück, ohne sich von ihnen einengen zu lassen. Was sie sucht, ist ein Dialog mit dem Material. Sie liebt es, wenn nicht alles von ihr allein bestimmt wird – sondern wenn die gewählten Mittel mitreden: mit eigenem Willen, Widerstand und überraschender Eigenlogik.
Formal bewegt sich ihr Werk zwischen figürlich und abstrakt, zwischen zarter Linie und kräftiger Geste. Zentrale Werkgruppen wie Murgang (Gips, 2025), Unflat (Seidenmalfarbe und Öl), Porträt der Armut, Ellipse in Gelb, Sie sind alle jemandes Tochter oder dieser eine Moment reflektieren Zustände des Wandels, der Aufmerksamkeit, der Stille – und die Unmöglichkeit, alles zu fassen.
In Werken wie Rotes Kleid am Pissoir oder Blick ins Kinderzimmer treffen intime Räume auf gesellschaftliche Deutung. Die Malerei auf losem Baumwollgewebe bleibt offen, beweglich – sie atmet, anstatt sich zu fixieren.
Lyn Firmbach-Middendorfs Kunst entsteht aus der persönlichen Notwendigkeit heraus – sie beobachtet, durchdringt, benennt und hinterfragt. Ihre Werke laden ein zum Hinsehen, zum Aushalten, zum Mitfühlen.
